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Sozialpraktikum

Eine Erfahrung fürs Leben – das Sozialpraktikum der 9. Klassen
Sozialpraktikum – das heißt: für zwei Wochen den gewohnten Klassenraum verlassen, den oft anstrengenden Arbeitsalltag in sozialen Einrichtungen kennen lernen, mit Kolleginnen und Kollegen zusammen arbeiten, vor allem aber mit Menschen in Kontakt kommen, die mit einer Behinderung leben, die sehr alt sind, die an einer Demenz erkrankt sind, die am Ende ihres Lebens stehen. All dies hautnah mitzuerleben – und auch sich selbst ganz anders zu erleben – das sind Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen wohl so schnell nicht vergessen werden.
Vom 30. März bis zum 12. April waren die Schülerinnen und Schüler in sozialen Einrichtungen in St. Augustin und Umgebung eingesetzt: überwiegend in integrativen Kindertagesstätten und Schulen, in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung und in Senioren- und Pflegeheimen. Die Praktikumsstellen wurden zum größten Teil durch das verantwortliche Lehrer-Team vermittelt, im Vorfeld konnten jedoch Wünsche geäußert werden. Inhaltlich vorbereitet wurde das Praktikum im Religions- und Philosophie-Unterricht; im Deutsch-Unterricht gab es zudem Tipps, wie man die notwendige Bewerbung abfasst. Auch während der Praktikumszeit wurden die Schülerinnen und Schüler nicht allein gelassen – der Besuch einer Lehrkraft bot die Möglichkeit, auftretende Probleme zu besprechen.
Trotz aller Vorbereitung und Begleitung erlebten die meisten Praktikantinnen und Praktikanten in den zwei Wochen ein wahres Wechselbad der Gefühle: Nervosität am Anfang, Hilflosigkeit in schwierigen Situationen, manchmal Scheu und Überwindung, aber auch Freude über ein Lob und Stolz auf kleine und große Erfolge.
… „Schwer war der erste Kontakt mit dementen Menschen. Ich habe mich nicht sehr wohl gefühlt und hatte Angst, etwas falsch zu machen.“ –
… „Manche haben mir von ihren Sorgen und ihrem Leid erzählt, und ich wusste nichts darauf zu antworten.“ –
… „Eine Frau hat mich am ersten Tag angeschrien, aber am letzten Tag war sie auf einmal ganz nett zu mir.“ –
… „Eine demente Frau hatte einen Nervenzusammenbruch, und keine Pflegerin konnte sie beruhigen außer mir, auf mich hat sie gehört.“ –
… „Es hat mich glücklich gemacht, dass Frau W. sich so gefreut hat, als ich mit ihr draußen war, und mir am nächsten Tag eine Blume geschenkt hat.“ –
…. „Mir wurde beim Abschied gesagt, dass ich eine der besten Praktikantinnen war, und dass sie mich vermissen würden.“
… „Beim Abschied haben alle Kinder geweint.“
Gelegenheit, diese eindrücklichen Erfahrungen aufzuarbeiten, hatten die Schülerinnen und Schüler auf einer zweitägigen Auswertungstagung direkt im Anschluss an die Praktikumszeit. Zwei Klassen fuhren nach Altenberg, zwei nach Radevormwald, jeweils begleitet durch die Klassen- und Religions-bzw. Philosophie-Lehrer und externe Referentinnen und Referenten. Es zeigte sich, dass alle großen Bedarf hatten, ihre Erlebnisse „loszuwerden“ und mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auszutauschen. Und bei allem Spaß am abwechslungsreichen Programm der Tagung bewiesen die Schülerinnen und Schüler große Ernsthaftigkeit darin, sich mit Grenzsituationen – auch mit ihren eigenen Grenzen – und mit existentiellen Fragen („Ist das noch lebenswertes Leben?“) auseinanderzusetzen. So wunderte es nicht, dass das abschließende Resümee bei den meisten positiv ausfiel: „Das Praktikum hat sich auf jeden Fall gelohnt – es war eine Erfahrung fürs Leben!“

Konzept des Sozialpraktikums am RSG

Jahrgangsstufe und Fachbezug
Wir möchten in unserer Schule für die Jahrgangsstufe 9 ein Sozialpraktikum einführen, das an die Fächer Religion und Praktische Philosophie gekoppelt ist und in diesem Rahmen auch vor- und nachbereitet wird. Die Erfahrung, durch soziales Engagement zwischenmenschliche Begegnungen zu erleben und Grenzsituationen menschlichen Lebens kennen zu lernen, halten wir für Jugendliche dieses Alters für sehr wertvoll. Diese Erfahrung können sie heute in der Regel in ihrem direkten Umfeld nicht machen. Der Wert einer solchen Unternehmung ist neben der Berufsorientierung vor allem auch der veränderte Blickwinkel, den Schülerinnen und Schüler durch eine solche Erfahrung auf sich, ihr Leben und ihre Rolle in der Gesellschaft gewinnen können. Damit  stärken wir das Bewusstsein für die Verantwortung, die der Einzelne für die Gemeinschaft und insbesondere für diejenigen, die Hilfe benötigen, trägt.

Organisation
Die Form des Blockpraktikums ist geeignet, da sie ein deutlich intensiveres Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler bedeutet als eine unterrichtsbegleitende Form, in der sie nur für einzelne Nachmittage in den Einrichtungen anwesend wären. So ist eine Kontinuität gegeben, die es möglich macht, Tagesabläufe kennen zu lernen und echte Begegnungen zu erfahren. Zudem erleichtert die Form des Blockpraktikums die Identifikation mit der Einrichtung und die Integration der Praktikantinnen und Praktikanten.
Jede Schülerin / Jeder Schüler sucht sich eine eigene Praktikumsstelle und wird dabei von der Schule unterstützt. Als zeitlicher Umfang sind dabei zehn Tage Praktikum und zwei Reflexionstage notwendig. Diese Zeit wird benötigt, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, sich in einer Institution einzuleben und auch zu lernen, für sie schwierige Situationen zu meistern, sowie Zeit zur Reflexion der Erfahrungen zu haben.
Zudem wird durch eine solche alternative Form von Unterricht in diesem Umfang das Schulleben durch eine für die Entwicklung eines jungen Menschen wichtige Komponente ergänzt. Als Zeitpunkt für ein solches Blockpraktikum bieten sich die Wochen vor den Osterferien an.

Einrichtungen
Als mögliche Partner für dieses Unternehmen kommen Seniorenheime, Pflegedienste,Krankenhäuser und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Sankt Augustin und Umgebung in Betracht. Unterstützt wird unsere Schule bei der Suche nach geeigneten Einrichtungen von der Stadt Sankt Augustin, die unser Vorhaben begrüßt.

Begleitung
Das Sozialpraktikum wird in den Fächern Religion bzw. Praktische Philosophie inhaltlich und organisatorisch vorbereitet. Zur Betreuung während der Zeit des Praktikums stehen alle Lehrerinnen und Lehrer in dem Umfang, in dem sie in diesem Jahr in der Jahrgangsstufe 9 eingesetzt sind, zur Verfügung. Der zeitliche Rahmen gestaltet sich ähnlich wie bei der Betreuung des Berufspraktikums, d.h. dass die Schülerinnen und Schüler ein- bis zweimal in ihren Einrichtungen besucht werden. Darüber hinaus sind einzelne Lehrerinnen oder Lehrer auch telefonisch für die Schülerinnen und Schüler erreichbar, da es bei solch einer Herausforderung auch immer zu psychischen Notsituationen kommen kann, die einen professionellen Gesprächspartner erfordern und in denen wir die Schülerinnen und Schüler nicht alleine lassen können und wollen. Außerdem sind zu Beginn an einzelnen Nachmittagen offene Gesprächsrunden geplant, in denen die neuen Erfahrungen ausgetauscht und aufgefangen werden können.
Den Abschluss dieses Praktikums bilden zwei Reflexionstage und ein Abschlussfest, zu dem auch Vertreter der einbezogenen Einrichtungen eingeladen werden könnten.

Reflexion und Dokumentation
Wir werden einen Fragebogen ausgeben, der einen möglichen Leitfaden für eine Dokumentation darstellt. Wir wünschen uns von den sozialen Einrichtungen für die Schülerinnen und Schüler eine Art Zeugnis, in dem niedergelegt wird, dass und in welcher Form sie sich in der Einrichtung eingebracht haben. Um den Arbeitsaufwand für die Institutionen zu reduzieren, stellen wir ein Formblatt zur Verfügung, auf dem dieses Zeugnis ausgestellt werden kann.
Eine solche Würdigung trägt dazu bei, den Stellenwert und den Anreiz eines solchen Engagements für die Schülerinnen und Schüler zu erhöhen. Außerdem wird die Teilnahme auf dem Jahreszeugnis der Jahrgangsstufe 9 bescheinigt.

Schulorganisatorische Rahmenbedingungen von Astrid Sommerfeld
Für die Organisation und die Betreuung des Sozialpraktikums stellt die Schule eine Lehrerstunde pro Klasse zur Verfügung.

Rechtliche Rahmenbedingungen
Alle Schülerinnen und Schüler müssen vor Antritt des Sozialpraktikums eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Außerdem ist zu prüfen, inwiefern manche Einrichtungen ein Gesundheitszeugnis oder eine spezielle Impfung (z.B. Hepatitis-Impfung) erwarten.
Für die Schülerinnen und Schüler gilt in diesem Rahmen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.