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Israel-Austausch 2012

„Lust auf interessante Leute? Lust auf ein spannendes Land? Lust auf Israel?“ Eine ganze Reihe von Schülerinnen und Schülern aus der neunten, zehnten und elften Klasse haben diese Fragen für sich mit „JA!“ beantwortet und sich vierzehntägig am Freitagnachmittag in der Schule eingefunden, um sich mit Fragen zum Judentum, israelischer Geschichte und deutschen Sehenswürdigkeiten zu beschäftigen. Was heißt überhaupt koscher? Warum ist Israel immer wieder in den Nachrichten? Und wann fahren wir eigentlich mit den Israelis zu Haribo?

All das waren nur einige der vielen Dinge, die wir auf der Zielgeraden zum ersten Teil des Israel-Austausches klären mussten. Und dann war es am 5. Mai 2012 plötzlich so weit – mit weißen und rosa Gerbera bewaffnet fanden 19 deutsche Schülerinnen und Schüler auf dem Siegburger Bahnhof ihre 20 israelischen Austauschpartnerinnen und -partner. Ganz fremd war man sich schon nicht mehr – Facebook verbindet heute schließlich alles und jeden. Aber aufregend war es natürlich trotzdem – sich kennen zu lernen, plötzlich nur noch Englisch reden zu müssen und in die israelischen Partylust eingeweiht zu werden.

Nachdem im Rheinland noch eine erste sportliche Herausforderung gemeistert worden war – eine Schlauchboottour auf dem Rhein von Oberdollendorf nach Mondorf – machte sich die ganze Truppe am 8. Mai unter der Begleitung der israelischen Lehrer Yoram Winter und Irit Berman und der deutschen Lehrer Verena Bergfeld, Wolfgang Schulte und Gustel Houtrouw mit dem Bus nach Berlin auf. Dort wartete Vertrautes und Neues – Haus der Wannseekonferenz, Reichstagskuppel, Jüdisches Museum und vieles mehr. Die nächste sportliche Betätigung ließ nicht lange auf sich warten – eine geführte Radtour entlang des ehemaligen Mauerstreifens. Für die Israelis, die nicht wie wir jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule fahren, war das ganz besonders aufregend – aber alle sind heil wieder an der Nikolaikirche angekommen. Halleluja!

Die Fahrt führte uns weiter Richtung Halberstadt – auf den ersten Blick natürlich ein überraschendes Ziel. Doch die Familiengeschichte unseres israelischen Austauschlehrers Yoram Winter ist in dieser für das deutsche Judentum des 18. und 19. Jahrhunderts so wichtigen Metropole beheimatet. Besonders lebendig wurde dies, weil Yorams Tante Judith – Jahrgang 1921 – gerade in Halberstadt zu Besuch war und im Gespräch mit unseren Schülern diesen sehr eindrücklich eine ganz persönliche Geschichte der Verfolgung erzählen konnte. So wurde eine Brücke in die Vergangenheit geschlagen, die den Sinn dieses Schüleraustausches ganz unmittelbar vor Augen führte. Das Gymnasium Martineum bot uns für zwei Tage ein Zuhause, indem immer ein deutsch-israelisches Paar in einer Familie untergebracht war. Außerdem wurde die Gruppe von der Moses-Mendelssohn-Akademie betreut, in die – nicht nur jüdische – Geschichte Halberstadts eingeführt und konnte im wunderschönen Garten der Akademie die Fülle von neuen Eindrücken verarbeiten. Auch zum Gespräch mit Gustel Houtrouw bot sich die Gelegenheit: Indem er die deutschen Schülerinnen und Schüler mit zu den Anfängen der Israel-Austausch-Bewegung am RSG in den 80er Jahren nahm, machte er ihnen bewusst, in welcher Historie sie stehen.

Der Besuch in Buchenwald am Ende unserer Fahrt schlug einen Bogen zum Ausgangspunkt im Haus der Wannseekonferenz – an Gespräche, die dort begonnen wurden, konnte hier angeknüpft werden. So kehrte eine ganz neue Gruppe von Freunden nach Sankt Augustin zurück.

Die restlichen Tage vergingen wie im Fluge – viel zu kurz war die verbleibende Zeit für all das, was noch getan, gesehen und gekauft werden musste: „Die verzaubernde Nanny“ lud uns in ihre Welt ein – ein ganz großes Dankeschön an Matthias Reinold und seine Crew! Siebengebirge, Köln, die Spitze des Doms, Bonn – all das musste natürlich erlaufen werden, die Füße und Sinne wurden zunehmend müder, aber für das gemeinschaftliche Treffen am Abend wurden immer wieder alle Kräfte mobilisiert.

Das letzte sportliche Highlight war schließlich die Abschiedsnacht in unserer Turnhalle – übrigens etwas, um das uns jede israelische Schülergeneration von Neuem beneidet. Während in einem Drittel noch an Ringen geturnt und Fußball gespielt wurde, traf man sich in der Mitte zum Singen und im letzten, dunklen Drittel kamen die zur Ruhe, die die vergangenen zwei Wochen endgültig erschöpft hatten. Dank nachtschlafener Flugzeiten setzten wir schließlich um 4.00 Uhr unsere Israelis mit Tränen in den Augen in den Bus. Dann legten uns noch einmal für einige wenige Stunden auf die Yogamatte, um von einem baldigen herbstlichen Wiedersehen in Mevasseret Zion zu träumen… To be continued…

Verena Bergfeld

Flagge IsraelLOGO-isrealagIsrael4

Unsere Gäste mit ihren Gastgebern in Berlin 2012